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  • AutorenbildMichaela Kuti

Der Vocalcoach als Taxifahrer

Aktualisiert: 31. Jan.

Und: was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem/einer Gesangslehrer*in und einem Vocalcoach?



Eine Spurensuche...


Vor kurzem habe ich auf Social Media mal rumgefragt, was für euch da draußen denn der Unterschied zwischen einem/einer Gesangslehrer*in und einem Vocal Coach ist. Die Antworten reichten von „keiner“ bis zu „ein Vocalcoach schaut nicht nur auf die Stimme sondern auch auf alles drum herum“. Sehr spannend, wie ich finde. Befragt man das Internet dazu, kommt man zu einer ähnlichen Antwort. Nämlich: nix genaues weiß man nicht. Manche meinen so, die anderen so oder so ähnlich.


Einige finden, die Begriffe werden einfach synonym verwendet und weil sich der Titel "Vocal Coach" schicker, moderner und genderneutraler anhört, ist das eben der neue In-Begriff, der aber im Grunde dasselbe meint.


Ich bin da anderer Meinung und habe mich bewusst dafür entschieden, ein Vocal Coach zu sein. Zum einen natürlich, weil das so auf meinem Zertifikat steht und zum anderen weil ich schlicht und ergreifend keine Lehrausbildung im Sinne eines pädagogischen Studiums gemacht habe.


Tatsächlich ist diese Berufsbezeichnung nicht geschützt, d.h. es kann sich jeder heutzutage Coach nennen - auch ohne eine Ausbildung im Coachingbereich gemacht zu haben. Nimmt man nun von all den Titeln den „Gesang“ vorne weg bleiben: Lehrer*innen, Therapeuten/-innen, Pädagogen/-innen, Trainer und Coaches – und all diese Berufe haben zum Teil didaktische Ansätze und berufliche Werdegänge, die sich erheblich voneinander unterscheiden.



Mann und Kind singen zusammen

Was also ist für mich der entscheidende Unterschied zwischen einem/einer Gesangslehrer*in und einem Coach?



Anders als bei Lehrenden, arbeitet ein Coach auf Augenhöhe mit seinem Coachee. Es geht nicht um den Wissensvorsprung, den ich als Lehrende habe. Es geht nicht darum, dass ich mehr weiß als mein Coachee und dieses Wissen über ihm oder ihr einfach so ausgieße oder dass sich mein Coachee von meinem gesammelten Wissen einfach das rauspickt, was für ihn oder sie relevant ist. Es geht auch nicht darum, dass ich Lösungen vorgebe, von denen ich meine, dass sie richtig und gut für den Coachee sind.


Gibt man den Begriff „Coach“ in ein Übersetzungsprogramm ein, bekommt man Begriffe wie Kutsche, Bus oder Wagen. Und genauso stelle ich mir meinen Job auch vor:



Vocalcoaching ist wie Taxifahren: der Coach als Taxifahrer

Der Coach als Taxifahrer


Ich bin als Coach quasi der Taxifahrer, der meinen Fahrgast zu seinem Ziel bringt. In meiner Vorstellung steigt also mein Coachee in mein Taxi ein und nennt sein Ziel. Wenn sein Ziel der Fernsehturm ist, dann ist es meine Aufgabe, ihn zum Fernsehturm zu bringen. Schließlich zahlt er genau dafür und ich stelle ihm meine Zeit und mein Fahrzeug dafür zur Verfügung. Danach überlässt er es mir, die beste Route zum Fernsehturm zu finden, den schnellsten Weg oder alternative Straßen. Er mischt sich während der Fahrt nicht ein und vertraut mir, dass ich weiß wohin es geht und darauf, dass ich mich hier in der Gegend auskenne und ihn sicher zu seinem Ziel bringen werde. Ich als Taxifahrer kenne den besten Weg und entscheide über die Route. Am Ende der Fahrt wird der Fahrgast dort abgesetzt, wo er hinwollte.


Der Taxifahrer würde sich niemals zu seinem Fahrgast umdrehen und sagen: "Nee, ich finde, dass du dir erst mal die Stadtkirche anschauen solltest, bevor ich dich an dein eigentliches Ziel bringe."

Klar, oder?


Ziele, Prozessbegleitung & Co.


Ein Coach ist dafür zuständig, dem Coachee zu helfen, seine Ziele zu identifizieren und zu begleiten. Aber er ist nicht dafür zuständig, dem Coachee ein anderes Ziel vorzuschlagen. Wenn der Fahrgast zum Fernsehturm will, dann bringt er ihn dorthin. Punkt. Aus.


Die Aufgabe eines Coachs ist es, die persönlichen Fähigkeiten seines Coachees zu stärken, um zum Ziel zu kommen. Seien diese Ziele am Anfang nur vage oder schon bereits ganz konkret. Er hilft ganz allgemein gesagt, Ziele zu erreichen. Der Coach weiß nicht besser, was für den Coachee gut oder schlecht ist, vielmehr hilft er ihm seine Ziele scharf zu stellen und die Lösung in sich selbst zu finden. Und das ganze neutral und immer auf Augenhöhe.


Die Grundhaltung im Coaching sollte die Annahme sein, dass der Coachee die Fähigkeit zur Lösung seines Bedürfnisses bereits in sich trägt. Er ist genauso ein Experte für sich und seine Stimme selbst, wie es auch der Coach ist. Der Coach gibt lediglich den Rahmen und den Prozess vor, in dem der Coachee zu seinem Ziel findet.


Alles klar?!


Wie wirkt das auf dich? Macht das für dich Sinn? Inwiefern deckt sich das mit deinen Erfahrungen, Glaubenssätzen und Meinungen – und vor allem: deinem Unterricht? Schreib es mir gerne in die Kommentare. Ich freue mich über konstruktiven Austausch.


Weitere spannende Themen zum Thema „Didaktik im Vocalcoaching“ findest du ab sofort regelmäßig hier. Komm doch einfach wieder hier vorbei. Ich freue mich.


Bildquelle: Canva / Privat


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